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Historie des Hauptgebäudes des Amtsgerichts, des Schlosses Winsen (Luhe)

Wechselvolle Geschichte


Das Schloss zu Winsen (Luhe) beginnt 1299 für uns sichtbar zu werden. Herzog Otto der Strenge stellte damals eine Urkunde in Winsen aus, womit auf die Existenz des Schlosses zu schließen ist. Zahlreiche weitere Urkunden bestätigen, dass Amtsgeschäfte des Herzogs von Winsen aus geführt wurden. Entstanden war die Wasserburg mit Zugbrücke aber sicherlich weit früher.

Nach der Zerstörung der herzoglichen Burg auf dem Lüneburger Kalkberg in der "Ursulanacht" 1371 wurde der Verwaltungssitz der Großvogtei in das befestigte Winsener Schloss verlegt. Noch im gleichen Jahr konnte eine Belagerung im Zuge des Erbfolgekrieges erfolgreich abgewiesen werden. Das Schloss und die stattlichen Einkünfte seines Amtsbereichs erwiesen sich auch in anderer Weise als wertvoll, denn sie halfen dem Landesherrn mehrfach durch die Verpfändung aus der finanziellen Klemme:

1374 - 1389 an den Rat der Stadt Lüneburg

1396 an Hamburg und Lübeck

1434 - 1455 an den Rat der Stadt Lüneburg

1471 - 1481 an den Rat der Stadt Lüneburg

1493 - 1523 an die Kurfürsten von Sachsen

Mit dem Tod Herzog Wilhelm des Jüngeren wurde das Schloss bis 1617 Alterssitz der Herzogin Dorothea. Das Gebäude musste jedoch erst hergerichtet werden, erhielt einen Portalschmuck mit dem Wappen der Herzogin, eine würdige Kapelle und einen repräsentativen Lustgarten. Um 1610 fanden im Schloss Hexenprozesse statt.

Zu Beginn des 30jährigen Krieges wurden die Befestigungen verstärkt. 1627 konnte das Schloss mit Erfolg gegen die Dänen verteidigt werden. 1628 übernachtete Tilly, der Feldherr der katholischen Liga, auf dem Schloss; sein Stab lag hier längere Zeit in Quartier. In der folgenden Zeit diente das Schloss nur noch als Amtshaus. Von hier aus wurde das Amt Winsen verwaltet. 1866 wurde das Königreich Hannover eine preußische Provinz.

Relief  

Sandsteinrelief im Schlosshof von 1911:
"Zur Erinnerung an die Herzogin Dorothee von Braunschweig-Lüneburg - geboren aus Königlich dänischem Stamme - die im Schlosse zu Winsen als Witwe des Herzogs Wilhelm des Jüngeren von 1592 - 1617 lebte. Gewidmet von Bürgern der Stadt Winsen."

Merianstich  
Merianstich von 1654

Seit 1882 standen nicht mehr hannoversche Amtmänner, sondern preußische Landräte an der Spitze der Verwaltung. Aus den Ämtern waren Kreise geworden. Landrat Ecker stellte im Schlosshof die alte Kanone auf. 1932 wurde die Verwaltung der zusammengelegten Altkreise Winsen und Harburg nach Harburg verlegt. Nach Bombenangriffen kam sie 1944 nach Winsen zurück. Im Schlosspark boten Baracken ein kümmerliches Bild. Nach dem Bau des Kreishauses blieben das Amtsgericht und das Katasteramt im Schloss, letzteres zog 1994 in ein neues Gebäude am Von-Somnitz-Ring.

Sieben Perioden der Baugeschichte

1. Im Keller des Ost- und Südflügels fanden sich Baureste, die ins ausgehende 14. Jahrhundert weisen. In die selbe Zeit konnte ein Deckenbalken im Turm datiert werden (1382). Untersuchungen an den mutmaßlich ältesten Teilen des Schlosses fehlen bisher. Acht Fundamtentschürfungen erbrachten unter den Außenmauern zwei Reihen von Rammpfählen mit Längsbalken und Werksteinen. Da meist Buchenholz verwendet worden war, konnte der Befund nicht datiert werden.

2. In die spätgotische Zeit um 1500 weist der sternförmig überwölbte Keller mit achteckigem Mittelpfeiler unter dem Westende des Nordflügels. Der heutige Keller hatte vermutliche einen runden Vorgänger (Turm).

Keller  

Keller des Ostendes des Nordflügels. Es ist deutlich zu sehen, dass dort früher einmal ein 8-eckiges Sterngewölbe vorhanden war, wahrscheinlich als Keller eines Turmes, der später in den jetzigen Keller teilintegriert worden ist. Dezentral sieht man eine weitere Stütze, die man später aufgrund absinkender Fundamente zur Stütze der Kellerdecke eingezogen hat. Aufgrund Fortschreitens der Senkungsschäden kann man heute zwischen das Säulenende und die zu tragende Decke bequem aufrecht eine Faust halten.

3. In die Mitte des 16. Jahrhunderts fällt der Umbau zum Renaissanceschloss, sichtbar besonders am Nordflügel mit der offenen Galerie zur Hofseite. Ein Deckenbalken konnte auf das Jahr 1554 datiert werden. Nachdem bereits vorher viele bauliche Indizien dafür sprachen, kann zwischenzeitlich als gesichert gelten, dass damals auch ein Westflügel errichtet wurde, also eine Vierseiten-Anlage entstand. Entsprechende Fundamente wurden anlässlich Sielbauarbeiten Anfang 2000 gefunden.

4. Mit dem Einzug der Herzogin Dorothea am Ende des 16. Jahrhunderts erfolgten innere Umbauten, Ausbesserungen und Verschönerungen, z.B. die Neugestaltung des Portals und der Ausbau der Schlosskapelle (s.o.).

5. Einen Deckenbalken aus Eiche in einem Kellerraum stammt aus dem 17. Jahrhundert. Die Gestalt des Schlosses zeigt der Stich von Merian aus dem Jahre 1654 (s.o.).

Grundriss

6. Im früheren 18. Jahrhundert wurden der Südwestturm und vermutlich der Westflügel abgebrochen. Es entstanden Kopfbauten an beiden Enden der Seitenflügel. ein Dachbalken aus dieser Periode ist auf 1702 datiert.

7. Um 1900 wurde ein Treppenhausturm am Nordflügel sowie 1960 ein barockes Treppenhaus abgebrochen und jeweils durch "zeitgenössische" ersetzt. Es gab Umbauten im Inneren. 1900 entstand der Erkerausbau im 1. Obergeschoss des Südflügels (Architekt Franz Krüger).

Man sprach vom Landratserker, der mehr Licht in die Wohnung des Landrats bringen sollte.

Einige archäologische Funde an Keramikteilen und Glasfragmenten machte das Hamburger Museum für Vor- und Frühgeschichte (Helms-Museum).

Ein Kleinod ist die Schlosskapelle, die ebenso wie weitere Schönheiten des Schlosses, auf gesonderten Seiten zu sehen ist.

Weite Teile dieser Darstellung entstammen der Ausarbeitung von Helmut Büttner (†), dem ehem. 1.Vorsitzender des Heimat- und Museumsvereins Winsen (Luhe), welche er aus Anlass des 700jährigen Bestehens des Schlosses im Juni 1999 erstellt hat.

Für die freundliche Genehmigung, die Ausführungen übernehmen zu dürfen, wird gedankt

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