Niedersachen klar Logo

Die Schlosskapelle

Schlosskapelle Winsen Luhe, Innenansicht mit Rippengewölbe




Entstanden ist die Schlosskapelle "um 1600” im zweijochigen Raum mit Rippengewölbe, einem quadratischen Chor und Chorfenstern nach Osten.

Schlosskapelle des Schlosses Winsen Luhe, Erker an der Südseite
Schlosskapelle Winsen Luhe, Empore und Rippengewölbe

Wahrscheinlich war hier vorher bereits ein Raum mit Rippengewölbe vorhanden, evlt. eine kleine Vorgängerkapelle, denn im Mauerwerk sieht man noch die abgeschlagenen Reste der Steine des ursprünglichen Rippengewölbes, welches jedoch einige Meter niedriger war.

Die Holzvertäfelung ist - ebenso wie die Empore - erst ca. 100 Jahre alt, d.h. sie wurde zur Jahrhundertwende durch Landrat Ecker eingebaut, der auch den Erker an der Südseite des Schlosses bauen ließ. Die Beleuchtung wurde im Rahmen der jetzigen Sanierung erneuert, Wandlampen waren jedoch schon vorher vorhanden.

Putten in der Schlosskapelle Winsen Luhe

In den Gewölbekappen mit Ornamentbändern der Renaissance und reichem Blumenschmuck finden sich fünf Segmente mit Darstellungen von Glaubenspunkten (Tugenden) aus mittelalterlicher Tradition.

Im sechsten Segment jedoch wird das dezidiert lutherische Thema "Lex und Evangelium” dargestellt.

Zeittypisch sind auch die Bibelzitate, jeweils mit zwei Putten als Allegorien.

Im ersten Segment findet sich eine Darstellung der Auferstehung. Die Putten haben Posaunen, dazwischen befinden sich Totenschädel und aufstrebende Halme mit Ähren. Das Zitat lautet: "Es wird gesäet verweslich, und wird auferstehen unverweslich” (I. Korinther 15, 42)

Putten in der Schlosskapelle Winsen Luhe



Das zweite Segment behandelt die Liebe und die Hoffnung: Die Putten umarmen einander, sie haben ein Schild mit brennendem Herzen ("Charitas”) bzw. mit Anker ("Spes”). Zitate aus Epheseer I,6 und (berichtigt) Psalm 125,1

Putten in der Schlosskapelle Winsen Luhe



Im dritten Segmet wird der Friede und der Glaube dargestellt. Die Putten haben einen Ölzweig ("Pax”) bzw. einen Kelch (”Fides”).

Zwischen ihnen befinden sich Spruchbänder mit "Friede den Eintretenden” bzw. "Heil den Hinausgehenden” (jeweils lateinisch)

Putten in der Schlosskapelle Winsen Luhe



Im vierten Segmet wird die Versammlung im Geiste Christi dargestellt. Die Putten scharen sich um ein Hühnernest;
Zitat: "Jerusalem, Jerusalem, wie oft hab ich dich versammeln wollen wie eine Kluckhenne ihre Küken unter ihre Flügel, aber du hast mich nicht gehört” (Matthäus 23.37)

Putten in der Schlosskapelle Winsen Luhe



Im fünften Segment werden mitleidende Geduld und der Glaubenssieg dargestellt. Die Putten haben ein Kreuz ("Patiencia”) bzw. eine Siegesfahne ("Victoria”), zwischen ihnen ist ein Rollwerkwappen mit Jesus-Monogramm "IHS”. Zitate: Römer 8,17 und Jesaia 44,2

Putten in der Schlosskapelle Winsen Luhe

Das sechste Segment handeln vom Gesetz und Evangelium. In der Mitte befindet sich ein Altar mit brennendem Herzen; das Opferlamm gegenüber mit Kelch und Hostie. Der Putto links hat verbundene Augen, eine Geißel und ein Schild mit Flammenschwert ("Lex”).
Der Putto rechts hat einen Kreuzstab und Schild mit Friedenstaube ("Evangelium”)

Zitat: "Denn das Gesetz ist durch Moses gegeben, die Wahrheit durch Jesus Christum geworden." (Johannes 1.17).

Das theologisch vorgegebene Thema "Gesetz und Evangelium” wurde schon von Lucas Cranach dem Älteren (1472-1553) bildlich umgesetzt. Es erscheint auch auf Kanzeln und Epitaphien. Für Luther war es von zentraler Bedeutung; heute aktuell und z.B. als "kategoriale Mitte der Rechtfertigungslehre” gewertet.


Die Putten als Allegorien sind in Randleisten zur Bibel von Tobias Stimmer vorgebildet
(6. Auflage 1576 - 1591). Sie dürften hier wohl Vorbild gewesen sein.

Schlosskapelle Decke
Schlosskapelle Winsen Luhe, Decke


Wir danken Herrn Gröll (†) vom Heimat- und Museumsverein Winsen(Luhe) sehr für seine Unterstützung bei der textlichen Gestaltung dieser Seite.

zum Seitenanfang
zur mobilen Ansicht wechseln